Was wird aus N24?

Das Nachrichtenflagschiff der Senderkette Sat.1ProSieben zittert. In der nächsten Zeit sollen massiv Stellen abgebaut werden um Kosten zu sparen. Die gewünschten Reichweiten waren bei dem Sender offensichtlich nicht nicht drin. Dazu kommt, dass mittlerweile wieder n-tv im Bereich der Quoten die Nase vorn hat. Lange Zeit konnte der RTL Nachrichtensender nicht an die Quoten von N24 heranreichen. Das Debakel hinter den Kulissen ist mit Sicherheit auch eine Auswirkung der massiven Geldprobleme von Sat1/ProSieben, die nun dafür sorgen, dass die Nachrichtenredaktion von N24 ihre Federn lassen muss. Gespart werden sollte an den Nachrichten schonmal. Vor rund einem Jahr gab es unter den Senderchefs von Sat1 und ProSieben einmal den Versuch, die Nachrichten aus dem Programm zu schmeißen. Doch die Landesmedienanstalten machten mobil gegen diesen Versuch und waren mit der Drohung, Sat1 und ProSieben verlieren ihren Vollprogrammstatus, erfolgreich.

Der Kahlschlag von N24 liegt aber zunächst in den Kosten des Formats begründet. Große Teile des Programms wie Nachrichtensendungen oder auch Magazine werden live produziert und verursachen dadurch höhere Kosten als die Filmrotationen bei ProSieben oder Sat1. Doch noch ist das letzte Wort in dem Konflikt offensichtlich nicht gesprochen. Ein russischer Investor namens Dmitrij Lesnewski möchte den Nachrichtensender gerne kaufen. Er war zuvor in Besitz des Spartensenders “Das Vierte”, der zuvor der NBC News Corp. gehörte, die aber schnell mangels Erfolgs einen Rückzieher machte. Lesnewski hat den Sender vor kurzem angeblich für mehrere Millionen verkauft. Auch laufen laut der aktuellen Ausgabe der Werben und Verkaufen bereits Gespräche mit Sat1 und ProSieben. Ideen hat Lesnewski dabei sehr viele. So geht es ihm darum, größtenteils auf Eigenproduktionen im Programm zu setzen. Diese Eigenproduktionen sollen zum einen natürlich im Programm ausgestrahlt und zum anderen auch an weitere Sender verkauft werden. Außerdem plant Lesnewski, sich trotzdem weiterhin von Sat1/ProSieben vermarkten zu lassen. Ob der Coup letztendlich aufgeht steht noch in den Sternen.

Sinnvoll wäre es allemal, wenn sich ein Investor in den Sender N24 finden würde. Zum einen tut es der berichterstattenden Medienlandschaft in Deutschland gut, zum anderen könnte N24 ohne Sat.1 und ProSieben wesentlich flexibler agieren, als das bisher der Fall war. Vielleicht würden die Redakteure auch endlich mit ihrem Ziel durchkommen und könnten so den Journalismus innerhalb des Senders etwas auf Fordermann bringen. Denn vor kurzem beschwerten sich die N24 Mitarbeiter wegen der Nachrichten, welche sie über den Äther rausschicken müssten. Größtenteils haben die Nachrichten aus Boulevardmeldungen bestanden. Lesnewskis Investition, sollte sie stattfinden, wäre hier eine Chance für den Sender, endlich ein noch nachrichtlicheres Profil aufzubauen. Zum anderen besteht aber auch das Risiko, dass auf einmal Horoskopsendungen und Teleshopping dem Sender jegliche Glaubwürdigkeit kosten würde. Da Lesnewski aber vor Das Vierte auch schon in der RTL Group mitmischte ist zu erwarten, dass das wohl erstmal nicht passieren wird.

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