Kaum eine Partei musste in den letzten Monaten soviel Kritik einstecken wie die FDP. Vor der Bundestagswahl hatte die FDP extrem hohe Beliebtheitswerte. Diese hatten nicht zuletzt mit den Versprechen Westerwelles zu tun, die Partei zu entlasten, keine weiteren Überwachungen zuzulassen und die deutschen Bürger zu stärken. Ein unglaublich hohes Ziel, das sich Westerwelle dort gestellt hat. Und die Bürger reagierten drauf, wählten die Partei. Die Legislaturperioden vorher hatte die FDP mit der gleichen Strategie versagt. Erinnern wir uns noch an die lächerlichen Auftritte von Guido Westerwelle auf Volleyballplätzen und Campingplätzen Deutschlands, auf denen er für sein Projekt “18” warb. Auch der darauffolgende Wahlkampf war gezeichnet von Westerwelles Gesicht, wie der letzte auch. Doch Westerwelle hat seinem Saubermannimage in den letzten Monaten selbst einige Schnitzer verpasst.
Erinnern wir uns noch an die Mehrwertsteuersenkung für Hotels, die mit dem Ziel gestartet wurde, sämtliche Hotelpreise zu senken und die Übernachtungszahlen damit zu erhöhen. Doch anstatt die Preise zu senken, behielten die Hotels das entstandene Geld für sich ein. Die Bevölkerung und auch die Opposition warfen Westerwelle damals Lobbyismus vor. Weiter ging es mit dem Skandal, dass Westerwelle seinen Lebensgefährten mit auf eine Auslandsreise nahm. Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wäre er nicht ein Geschäftsmann, der potenziell hätte in dem Land Geschäfte machen können. Hier gab es eine riesige Diskussion, die allerdings auch von der Opposition gepusht wurde. Und weiter geht es mit den versprochenen Maßnahmen zur Entlastung der Bürger. Hier hat die FDP zusammen mit der CDU zwar schnell gehandelt, von den versprochenen Steuerreformen ist aber seit Monaten nichts zu sehen. Ein neues Konzept hat Westerwelle heute vorgestellt, welches die Bürger ab 2012 entlasten soll. Bedingung ist allerdings, dass Griechenland keine großen Hilfen von Deutschland bekommt. Nach derzeitigem Stand wird gerade dies aber der Fall sein. Bis zu 30 Mrd sind dabei im Gespräch. Westerwelle trat heute bewusst natürlich vor der Wahl in Nordrhein Westfalen nochmal vor die Mitglieder, um ihnen die Wichtigkeit einer starken FDP nahezubringen. Das Problem: Das “Leittier” schwächelt mit politischen Positionen, mit Maßnahmen, welche die FDP durchbringen wollte und natürlich auch mit Imageschäden, die seit dem Gewinnen der Wahl die Runde machen. Das Problem der FDP ist nämlich die Kommunikation im öffentlichen Raum mit den Wählern. Denn hier ist Westerwelle nahezu ein Alleinkämpfer. Kaum ein anderer Politiker ist aus der FDP bekannt. Hier muss die FDP, ähnlich wie das die CDU erfolgreich macht, eine Art Team aufstellen, welches die Kompetenzen der Partei managt. So könnte sich sämtlicher Ärger, der jetzt um Herrn Westerwelle besteht einschränken lassen. Schwer wird es allerdings sein, nach der starken Persönlichkeit Westerwelles neue starke Persönlichkeiten in den Vordergrund zu rücken. So etwas kann lediglich dann passieren, wenn es Menschen sind, die eine politische Richtung wirklich klar und ohne Umschweife verfolgen. Solche Personen dürften allerdings schwer zu finden sein.
